Heute: 8 Juni, 2026
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Gemeinsame Sichtweise

Das Team von poolbiz.eu sprach exklusiv mit Jürgen König, dem Präsidenten der bsw.

In einem Exklusivinterview mit poolbiz.eu erklärt Jürgen König, Präsident des bsw, Bundesverband Schwimmbad und Wellness in Deutschland, wie die Branche enger zusammenrückt, wie sich die Marktbedingungen verändern und warum Schwimmbäder immer mehr zu Orten des Wohlbefindens und der alltäglichen Entspannung werden.

Herr Koenig, der bsw Sie versteht sich als Netzwerk und Interessenvertretung für Unternehmen der Schwimmbad- und Wellnessbranche. Wie hat sich dieses Selbstverständnis in den letzten Jahren entwickelt?

Die Pandemie hatte erhebliche Auswirkungen auf unsere Branche, und zwar in vielerlei Hinsicht positiv. In dieser Zeit rückte der Sektor merklich enger zusammen. Es folgten weitere Herausforderungen, die viele Unternehmen stark belasteten. Gerade in diesen Phasen arbeiteten Hersteller, Fachhändler und Poolbauer enger zusammen und unterstützten sich gegenseitig.

Das Bewusstsein, dass wir alle eine gemeinsame Verantwortung für die nachhaltige Entwicklung der Branche tragen, hat deutlich zugenommen. Die Netzwerkmentalität ist heute wesentlich stärker verankert als noch vor wenigen Jahren.

Welche Rolle spielt der Verband heute in der Interaktion zwischen mittelständischen Fachunternehmen, der Industrie und zunehmend digitalen Informationsplattformen?

Persönliche Beziehungen bilden weiterhin das Fundament unserer Branche. Der direkte Austausch zwischen Herstellern, Händlern und Poolbauern ist nach wie vor unerlässlich. Mit unseren Informationstagen, Konferenzen, Schulungen und anderen Formaten sorgen wir dafür, dass diese persönlichen Kontakte gepflegt und gestärkt werden.

Gleichzeitig ist die Digitalisierung selbstverständlich zum festen Bestandteil des Marktes geworden. Daher bauen wir unsere digitalen Services kontinuierlich aus. Über unsere Online-Plattform bieten wir Fachinformationen, Leitfäden und praktische Ressourcen. Zukunftsweisende Unternehmen nutzen diese Tools intensiv. Gleichzeitig arbeiten viele Unternehmen weiterhin eher traditionell und legen Wert auf den persönlichen Kontakt. Beide Ansätze sind legitim und ergänzen sich hervorragend.

Jürgen König (bsw) und Rhea Werner (poolbiz.eu)

Wenn Sie auf die vergangenen 24 Monate zurückblicken, welche Entwicklung hat die Branche aus Ihrer Sicht am stärksten geprägt?

Die Planung ist deutlich schwieriger geworden. Der Markt ist weniger vorhersehbar und viel fragmentierter als früher. Das Kundenverhalten ändert sich schneller. Unternehmen, die einst konstant arbeiteten, unterliegen nun Schwankungen, während andere, die zuvor weniger präsent waren, in den Fokus rücken.

Der Wettbewerb hat sich ebenfalls verschärft. Projekte werden genauer verglichen und Angebote detaillierter geprüft. Es ist mittlerweile üblich, mehrere Anbieter gleichzeitig zu kontaktieren. Dies erhöht den Druck und erfordert ein hohes Maß an Professionalität in Beratung, Preisgestaltung und Ausführung.

Es besteht zudem eine stärkere Tendenz, jedes Detail zu hinterfragen und zu verhandeln. Viele Unternehmen mussten sich früher nicht mit einem solchen Maß an Kontrolle auseinandersetzen. Heute gehört dies zum Geschäftsalltag.

Private Pools und Wellnessbereiche werden zunehmend mit Lebensqualität, Gesundheit und dem Zuhause als Ort der Ruhe und Erholung in Verbindung gebracht. Wie nehmen Sie diese Entwicklung aus Sicht des Verbandes wahr?

Dies ist ein zentraler Aspekt unserer Arbeit, da wir hauptsächlich im Privatsektor tätig sind. Unsere Marketingkampagnen greifen diese Entwicklung gezielt auf. Ich sage oft, dass der Swimmingpool im Zentrum der Gesellschaft angekommen ist. Er wird nicht mehr nur als Luxusprodukt wahrgenommen, sondern – je nach gewählter Ausstattung – als realistische Option für viele Haushalte.

Ein privater Pool steht für Unabhängigkeit und persönliche Freiheit. Keine Öffnungszeiten, keine Anfahrtszeiten, keine Einschränkungen. Man kann selbst entscheiden, ob Sport, Entspannung oder gemeinsame Zeit mit der Familie im Vordergrund stehen. Diese Form der Lebensqualität hat in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen.

Die Idee, in ein privates „Urlaubserlebnis zu Hause“ zu investieren, hat sich fest etabliert. Ähnliche Tendenzen beobachteten wir bereits nach der Finanzkrise 2008. Heute ist diese Denkweise deutlich weiter verbreitet.

Hier ein Einblick in die aktuelle Marketingkampagne:

Gleichzeitig stehen Unternehmen vor Herausforderungen wie Energieeffizienz, regulatorischen Vorgaben und Fachkräftemangel. Wo sehen Sie die größten Herausforderungen und Chancen?

Energieeffizienz bleibt ein zentrales Thema. Verbraucher sind sensibler geworden, und ihre Erwartungen an Unternehmen sind entsprechend gestiegen. Technologien wie Poolabdeckungen, Wärmepumpen und Wärmetauscher leisten einen wichtigen Beitrag zur Optimierung des Energieverbrauchs. Dies trägt dazu bei, die Wahrnehmung des Pools als energieintensives Produkt zu entkräften.

Regulatorische Anforderungen, insbesondere Normen wie DIN, stellen viele Unternehmen vor Herausforderungen. Gleichzeitig beinhalten diese Normen sicherheitsrelevante Aspekte, die nicht vernachlässigt werden dürfen. Ein Projekt muss nicht nur ästhetisch überzeugen, sondern auch technisch einwandfrei und sicher sein.

Der Fachkräftemangel bleibt ein strukturelles Problem. Trotz schwankender Projektzahlen herrscht weiterhin Mangel an qualifizierten Mitarbeitern. Mit Kampagnen und Initiativen wollen wir den Beruf des Poolbauers sichtbarer und attraktiver machen. Langfristig sind jedoch stärkere Strukturen für die berufliche Ausbildung notwendig.

Welche Bedeutung haben Qualitätsstandards wie der „Energie-Leitfaden“ oder der „Wasser-Leitfaden“ für die Stabilität und Glaubwürdigkeit des Marktes?

Unsere Leitlinien für den deutschen Markt sind wichtige Instrumente, um fundierte Informationen bereitzustellen. Fachunternehmen können sie nutzen, um objektiv und sachlich über Themen wie Wasserverbrauch oder Energieverbrauch zu kommunizieren.

Ziel ist es, überprüfbare und verlässliche Informationen bereitzustellen. Dies stärkt die Glaubwürdigkeit der Branche und schafft Vertrauen bei den Endverbrauchern.

Beide Richtlinien können hier eingesehen werden:

Energie-Leitfaden
Wasserführer

Wie lassen sich technische Grundlagen mit der emotionalen Welt des Pools und des Wellnessbereichs in Einklang bringen?

Die zentrale Aufgabe besteht darin, Technologie und Emotionen zu vereinen. Technische Standards müssen eingehalten werden, um Sicherheit, Effizienz und Langlebigkeit zu gewährleisten. Gleichzeitig ist ein Pool immer auch ein emotionales Produkt. Er steht für Lebensqualität, Ästhetik und persönliche Freiheit.

Ein gelungenes Projekt vereint beide Aspekte. Technische Präzision bildet die Grundlage, während emotionales Design dem Projekt seinen Reiz verleiht.

Welche Rolle spielen digitale Plattformen wie poolbiz.eu in Bezug auf Sichtbarkeit und Wissenstransfer?

Online-Recherche ist mittlerweile Standard. Sowohl Endverbraucher als auch Fachleute beziehen Informationen digital. Plattformen wie Poolbiz bündeln branchenspezifische Inhalte und stellen sie strukturiert zur Verfügung. Entscheidend sind die fachliche Qualität und Aktualität der Informationen.

Soziale Medien gewinnen weiterhin an Bedeutung. Visuelle Inhalte wecken Aufmerksamkeit und führen zunehmend zu konkreten Anfragen. Der Pool als Produkt eignet sich hervorragend für die visuelle Kommunikation. Er verkörpert Sport, Freizeit, Familienleben und Stil. Diese emotionale Dimension lässt sich über digitale Kanäle sehr wirkungsvoll vermitteln.

Da der europäische Markt immer enger vernetzt wird, reicht es aus, die nationalen Strukturen zu stärken, oder ist eine intensivere europäische Koordinierung erforderlich?

Eine stärkere europäische Zusammenarbeit ist in bestimmten Bereichen sinnvoll, insbesondere bei Marketinginitiativen und übergreifenden Branchenthemen. Gleichzeitig haben sich viele Standards im Laufe der Zeit entwickelt und lassen sich nicht einfach vereinheitlichen. Die klimatischen, wirtschaftlichen und technischen Bedingungen unterscheiden sich von Land zu Land.

Wo immer möglich, sollten Synergien genutzt werden. Europäische Produkte können bewusster positioniert werden, ohne Protektionismus zu fördern. Entscheidend ist ein gemeinsames Verständnis von Qualität und Verantwortung.

Mit Blick auf die nächsten drei bis fünf Jahre: Wofür sollte bsw in dieser Phase stehen?

Der Verband sollte sich für die Stabilisierung und Weiterentwicklung der Branche auf nachhaltige Weise einsetzen. Schwimmbäder sollten fest im Bewusstsein der Verbraucher als gesundheitsförderndes und gesellschaftlich akzeptiertes Produkt verankert sein, das in verschiedenen Ausführungen und Preiskategorien erhältlich ist.

Gleichzeitig hätte der Zusammenhalt innerhalb der Wertschöpfungskette weiter gestärkt werden müssen. Persönliche Beziehungen und gegenseitige Unterstützung bleiben dabei unerlässliche Säulen.

Was motiviert Sie persönlich, die Zukunft der Branche aktiv mitzugestalten?

Ich bin seit über 25 Jahren in der Branche tätig und habe ihre Entwicklung hautnah miterlebt. Der Swimmingpool vereint als Produkt Ästhetik, Funktionalität und emotionalen Wert. Er bereichert das Zuhause und schafft Räume für Bewegung, Entspannung und Gemeinschaft.

Was mich am meisten motiviert, ist der außergewöhnliche Zusammenhalt innerhalb der Branche. Der respektvolle Umgang miteinander, selbst unter Wettbewerbern, und das gemeinsame Bestreben, qualitativ hochwertige Projekte zu realisieren, sind herausragende Merkmale.

Das Potenzial ist für uns alle ausreichend vorhanden, und wir können es nur gemeinsam freisetzen.

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