Die Besucherzahlen steigen, die Gewinnmargen sinken jedoch. Der Grund dafür liegt in einem veralteten Managementmodell, das andere europäische Märkte bereits hinter sich gelassen haben.
Der italienische Schwimmbadsektor steht vor einem kaum zu übersehenden Widerspruch. In der Saison 2025 verzeichneten viele Einrichtungen ein zweistelliges Besucherwachstum, angetrieben durch die steigende Nachfrage und die hervorragenden Ergebnisse des italienischen Leistungsschwimmens. Gleichzeitig sanken jedoch die Gewinnmargen eines erheblichen Teils dieser Einrichtungen um 12 bis 18 Prozent.
Die Antwort liegt nicht in der Anzahl der Schwimmer. Sie liegt im Management der Schwimmbäder: telefonische Buchungen, Papierkassen, Kassenhäuschen mit manuellem Personal während der Stoßzeiten. Das sind versteckte Kosten, die nie in der Bilanz auftauchen, aber die Rentabilität stetig schmälern.
Die unsichtbaren Kosten des analogen Managements
Mitarbeiter, die ihre Zeit mit der Beantwortung von Anrufen, dem Aufschreiben von Namen und dem Umgang mit Bargeld verbringen, können sich nicht auf das konzentrieren, was tatsächlich Wert schafft: Wassersicherheit, Servicequalität und den Verkauf zusätzlicher Aktivitäten.
Lange Warteschlangen an stark frequentierten Sommerwochenenden sind nicht nur ärgerlich für die Besucher, sondern bedeuten auch Umsatzeinbußen, insbesondere wenn Besucher einfach aufgeben und wieder abreisen. Fragmentierte, traditionelle Kommunikationswege erschweren zudem die Nachverfolgung von Vorauszahlungen, was zu wiederkehrenden Liquiditätsengpässen und schwer zu behebenden administrativen Unstimmigkeiten führt.
Fragmentierte Daten, Entscheidungen im Dunkeln
Das Problem reicht weit über Online-Buchungen hinaus. Kernproblem ist die fehlende Möglichkeit, Daten integriert auszuwerten. Die meisten öffentlichen Schwimmbäder nutzen separate, voneinander getrennte Systeme für die Verwaltung von Eintrittskarten, Schwimmkursen, Kinderkursen und Mitgliedschaften.
Folglich hat der Facility Manager keinen Echtzeit-Überblick darüber, wie viele Fahrspuren belegt sind, welche Zeitfenster regelmäßig unterausgelastet sind oder welche Besuchergruppen am ehesten zusätzliche Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Ohne diese Informationen sind dynamische Preisgestaltung, verlässliche Budgetplanung und die Entwicklung effektiver Kundenbindungsprogramme unmöglich.
Der Kontrast zu Schwimmbädern in privaten Fitnesszentren ist eklatant. Diese Einrichtungen arbeiten seit Langem mit einheitlichen CRM-, Aktivitätsplanungs- und Zutrittskontrollsystemen und bieten dadurch höhere Servicestandards und weniger Leerlaufzeiten. In Deutschland und Frankreich gelten diese Systeme bereits als Mindeststandard für öffentliche Einrichtungen.
Die Zahlen derjenigen, die sich bereits verändert haben
Die Erfahrungen von Einrichtungen, die auf Digitalisierung gesetzt haben, liefern einen klaren Vergleichsmaßstab. Schwimmbäder, die im Jahr 2024 digitale Managementsoftware eingeführt haben, verzeichneten durchschnittlich 75 % mehr Buchungen als diejenigen, die an traditionellen Methoden festhielten.
Die durchschnittlichen Ausgaben pro Besuch bei Online-Buchungen liegen bei rund 34 Euro pro Tag – mehr als der durchschnittliche Ticketpreis vor Ort. Einrichtungen mit automatisierten Zugangssystemen verzeichnen zudem gestiegene Umsätze mit Zusatzleistungen wie Cafés, Geräteverleih und Kursen.
Der regulatorische Druck beschleunigt den Zeitplan
Es gibt nun einen Grund zur Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen, der eine Änderung dringend erforderlich macht. Ein neues nationales Rahmengesetz führt erstmals eine einheitliche Klassifizierung von Schwimmbädern in ganz Italien ein und bringt die Managementanforderungen damit in Einklang mit der europäischen Norm UNI EN 15288.
Die Verordnung sieht verpflichtende Selbstüberwachungspläne, zertifizierte Fachkräfte und ein System von Sanktionen bei Nichteinhaltung vor. Der Betrieb einer Einrichtung ohne digitale Tracking- und Reporting-Tools wird zunehmend mit diesen Verpflichtungen unvereinbar sein.
Auch beim Energieverbrauch – einem weiteren wichtigen Kostenfaktor für Schwimmbäder – erzielen integrierte Managementsysteme für Filtration und Heizung, die sich nach den tatsächlichen Besucherzahlen und nicht nach festen Zeitplänen richten, nachweisliche Einsparungen von bis zu 30 % des Jahresverbrauchs. Allein dieses Argument rechtfertigt eine digitale Investition bereits nach einer einzigen Saison.
Bild von kjpargeter auf Magnific
Quellen: Spiagge.it; Wbox; Camera dei Deputati; BibLus-ACCA; Assopiscin; Inpiscina.it