Auf dem Weltsaunaforum sprachen wir mit Peter Ruokonen, CEO von CariittiÜber Innovation, internationales Wachstum und die Zukunft der Sauna- und Wellnessbeleuchtung. Das finnische Unternehmen Cariitti, bekannt für seine Expertise in Glasfaser- und LED-Lösungen, gestaltet weiterhin erstklassige Beleuchtungserlebnisse weltweit und bleibt dabei der finnischen Fertigungstradition und Qualität treu.
Könnten Sie uns zunächst erzählen, wie Cariitti gegründet wurde und was die ursprüngliche Idee hinter dem Unternehmen war?
Cariitti wurde 1998 von meinem Vater gegründet, also vor fast 30 Jahren.
Von Anfang an konzentrierte sich das Unternehmen auf die Beleuchtung von Saunen, Spas und Wellnessbereichen unter Verwendung von Glasfasertechnologie.
Unsere Kernwerte waren schon immer hohe Qualität und die Beibehaltung von Produkten finnischer Herkunft.
Warum investiert Cariitti weiterhin sowohl in Glasfaser- als auch in LED-Technologien?
Beide Technologien haben ihre Vorteile. Im Vergleich zu LEDs bieten Glasfasern einzigartige Vorteile, die keine andere Beleuchtungstechnologie bietet – beispielsweise eine außergewöhnliche Hitzebeständigkeit. Für extrem heiße Umgebungen wie Saunen gibt es schlichtweg keine vergleichbare Lösung.





Gleichzeitig bieten LEDs in anderen Anwendungsbereichen Vorteile gegenüber Glasfasern. Entscheidend ist, die jeweils am besten geeignete Technologie für das jeweilige Ziel zu finden.
Was ist die größte technische Herausforderung bei der Entwicklung von Beleuchtungssystemen für Saunaumgebungen mit Temperaturen über 100 °C?
Heutzutage enthalten die meisten Beleuchtungskomponenten Elektronik, und elektronische Bauteile sind im Allgemeinen nicht für extreme Hitze ausgelegt.
Sobald die Temperaturen etwa 70 °C überschreiten, treten verschiedene technische Herausforderungen auf. Die Entwicklung von Produkten für diese Umgebungen erfordert eine sorgfältige Komponentenauswahl und fundiertes Fachwissen, um langfristige Zuverlässigkeit zu gewährleisten.
Welche Rolle spielen Smart-Home-Integration und digitale Steuerungssysteme in Ihrer Produktentwicklungsstrategie?
Die digitale Steuerung zählt zu den wichtigsten Entwicklungen in der Beleuchtungsindustrie. Viele der größten Innovationen der letzten Jahre haben in diesem Bereich stattgefunden.
Wir arbeiten mit mehreren Lieferanten zusammen, um komplette Systeme anzubieten, die mit verschiedenen Steuerungsprotokollen kompatibel sind – ob DALI, DMX, KNX oder andere – wodurch wir flexible Lösungen für unterschiedliche Kundenbedürfnisse anbieten können.
Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit Architekten und Innenarchitekten?
Das ist extrem wichtig. Vor allem in Finnland arbeiten wir eng mit Architekten und Innenarchitekten zusammen.
Wir veranstalten regelmäßig Events in unserem Werk und Ausstellungsraum, um Fachleuten zu helfen, ihr Wissen über unsere Produkte zu vertiefen und zu erfahren, wie sie Beleuchtung in ihre Projekte integrieren können.
Zusammenarbeit ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Geschäfts.
Sehen Sie Unterschiede zwischen finnischen und internationalen Kunden?
Ja auf jeden Fall.
Wir beleuchten jährlich über 10,000 Saunen, und die Saunakultur ist in Finnland tief verwurzelt. Die Kunden kennen die Grundlagen bereits.
International gesehen bedeutet der Eintritt in neue Märkte jedoch oft, ganz von vorn anzufangen und die Kunden über Saunabeleuchtung aufzuklären. Auch zwischen den Regionen gibt es technische Unterschiede – beispielsweise unterscheiden sich die elektrischen Systeme in Europa, den USA und Japan erheblich.
Welche internationalen Märkte weisen aktuell das stärkste Wachstum auf? Was sind die größten Herausforderungen bei der globalen Expansion einer finnischen Marke?
Aktuell entwickeln sich die USA, Kanada und Japan besonders gut. Insgesamt ist unser Exportgeschäft in den letzten Jahren stetig gewachsen, das stärkste Wachstum verzeichnen jedoch die USA und Japan.
Jeder Markt hat seine eigenen Erwartungen und Geschäftspraktiken. Wir möchten zwar die finnische Fertigung und Identität bewahren, müssen aber auch die lokalen Anforderungen verstehen und Produkte oder Kommunikation gegebenenfalls an die jeweiligen Märkte anpassen. Ein Produkt, das in einem Land erfolgreich ist, hat nicht automatisch überall Erfolg.
Warum produziert Cariitti trotz höherer Produktionskosten weiterhin in Finnland?
Wir haben stark in Automatisierung investiert. Prozesse wie Bohren, Schrauben, Kleben und Lagern werden von Robotern und Cobots unterstützt.



Menschliches Fachwissen ist weiterhin unerlässlich, die Lohnkosten allein sind jedoch nicht der entscheidende Faktor. Die enge Verzahnung von Design und Fertigung ermöglicht uns volles Verständnis und Kontrolle über unsere Produkte. Um unsere „Made in Finland“-Zertifizierung zu erhalten, berechnen wir regelmäßig unseren Anteil an finnischer Fertigung. Das letzte Ergebnis zeigte 72.4 % finnischer Herkunft.
Wie bewerten Sie Nachhaltigkeit?
Unser Ansatz ist auf Langlebigkeit und verantwortungsvolles Wirtschaften ausgerichtet. Wir recyceln Produktionsabfälle, nutzen Strom aus Windkraft und setzen elektrische Firmenfahrzeuge ein.
Die Langlebigkeit des Produkts ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Kunden kontaktieren uns regelmäßig und berichten, dass sie vor 20 Jahren ein Glasfasersystem gekauft haben und es nun in einer renovierten Sauna neu installieren möchten – was durchaus möglich ist.
Gibt es demnächst Innovationen oder Projekte, über die Sie berichten können?
Auf dem Weltsaunaforum präsentieren wir Taive Outdoor.


Es handelt sich um ein vollständig modulares Saunakonzept, bei dem die Tragkonstruktion feststeht, während Kunden Sitzbankanordnung, Wandelemente, Fenster und Beleuchtungslösungen individuell gestalten können. Zusätzliche Funktionen wie Sternenhimmelbeleuchtung ermöglichen eine noch größere Personalisierung.
Wo möchten Sie Cariitti im Jahr 2030 sehen?
Ich hoffe, wir werden uns sowohl auf dem US-amerikanischen als auch auf dem japanischen Markt eine starke Position erarbeitet haben. Ich wünsche mir außerdem ein stärkeres Wachstum in Europa. Märkte wie Deutschland sind zwar hart umkämpft, aber ich bin überzeugt, dass hier noch erhebliches Potenzial besteht.
Auf welches Projekt sind Sie persönlich am meisten stolz?
Ein Projekt, das mir sofort einfällt, ist das Lapland Hotels Bulevardi in Helsinki. Das Hotel verfügt über rund 180 Zimmer, von denen etwa 160 mit einer privaten Sauna ausgestattet sind. Wir haben die Beleuchtung für alle Saunabereiche sowie die Badezimmer und Teile der Gästezimmer geliefert.






Ein weiteres denkwürdiges Projekt war die Lieferung von Sauna- und Sternenhimmelbeleuchtungssystemen für das Waldorf Astoria. Wir haben außerdem große Kreuzfahrtschiffprojekte mit Hunderten von Glasfaserkabelbäumen und Projektoren realisiert.
Wie hat Ihnen das Weltsaunaforum gefallen?
Veranstaltungen wie diese bieten hervorragende Möglichkeiten zum Netzwerken. Besonders beim Saunabesuch selbst ergeben sich Gespräche ganz natürlich. Ich habe täglich mehrere Stunden damit verbracht, sowohl neue als auch bestehende Kunden kennenzulernen.

Im Geschäftsleben geht es nicht nur um Preislisten und Kataloge – es geht um Beziehungen, Vertrauen und die gemeinsame Schaffung langfristiger Werte.
