Heute: 25. März 2026
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Gemeinsame Vision

Das Team von poolbiz.eu sprach exklusiv mit Jürgen König, Präsident des bsw.

In einem exklusiven Interview mit poolbiz.eu erklärt Jürgen Koenig, Präsident des bsw, Bundesverband Schwimmbad und Wellness in Deutschland, wie die Branche enger zusammenwächst, wie sich die Marktbedingungen verändern und warum Schwimmbäder zunehmend zu Orten des Wohlbefindens und der alltäglichen Entspannung werden.

Herr König, der bsw sieht sich selbst als Netzwerk und Interessenvertretung für Unternehmen in der Schwimmbad- und Wellnessbranche. Wie hat sich diese Selbstwahrnehmung in den letzten Jahren entwickelt?

Die Pandemie hatte einen erheblichen Einfluss auf unsere Branche, und in vielerlei Hinsicht einen positiven. Während dieses Zeitraums rückte der Sektor deutlich näher zusammen. Was folgte, waren weitere Herausforderungen, die erheblichen Druck auf viele Unternehmen ausübten. Besonders in diesen Phasen arbeiteten Hersteller, Fachhändler und Poolbauer enger zusammen und unterstützten einander.

Das Bewusstsein, dass wir gemeinsam Verantwortung für die nachhaltige Entwicklung der Branche tragen, ist deutlich gewachsen. Die Netzwerk-Mentalität ist heute viel stärker verankert als vor einigen Jahren.

Welche Rolle spielt der Verband heute in der Interaktion zwischen mittelständischen Fachunternehmen, Industrie und zunehmend digitalen Informationsplattformen?

Persönliche Beziehungen bleiben die Grundlage unserer Branche. Der direkte Austausch zwischen Herstellern, Händlern und Poolbauern ist nach wie vor unerlässlich. Durch unsere Informationstage, Konferenzen, Schulungen und andere Formate stellen wir sicher, dass diese persönlichen Verbindungen gepflegt und gestärkt werden.

Gleichzeitig ist die Digitalisierung natürlich Teil des Marktes geworden. Wir erweitern daher kontinuierlich unsere digitalen Dienstleistungen. Über unsere Online-Plattform bieten wir Fachinformationen, Richtlinien und praktische Ressourcen an. Vorausschauende Unternehmen nutzen diese Werkzeuge intensiv. Gleichzeitig arbeiten viele Unternehmen weiterhin auf eine traditionellere Weise und legen Wert auf persönlichen Kontakt. Beide Ansätze sind gültig und ergänzen sich sehr gut.

Jürgen Koenig (bsw) und Rhea Werner (poolbiz.eu)

Wenn Sie auf die vergangenen 24 Monate zurückblicken, welche Entwicklung hat die Branche Ihrer Meinung nach am stärksten geprägt?

Die Planung ist erheblich schwieriger geworden. Der Markt ist weniger vorhersehbar und viel fragmentierter als früher. Das Kundenverhalten ändert sich schneller. Unternehmen, die einst konstant tätig waren, erleben jetzt Schwankungen, während andere, die zuvor weniger sichtbar waren, in den Fokus rücken.

Das Wettbewerbsumfeld hat sich ebenfalls verschärft. Projekte werden genauer verglichen und Angebote genauer geprüft. Es ist mittlerweile üblich, dass mehrere Lieferanten gleichzeitig angesprochen werden. Dies erhöht den Druck und erfordert ein hohes Maß an Professionalität bei Beratung, Preisgestaltung und Umsetzung.

Es besteht auch eine stärkere Tendenz, jedes Detail zu hinterfragen und zu verhandeln. Viele Unternehmen mussten sich zuvor nicht mit diesem Maß an Überprüfung auseinandersetzen. Heute ist es ein Bestandteil des täglichen Geschäfts geworden.

Private Pools und Wellnessbereiche werden zunehmend mit Lebensqualität, Gesundheit und dem Zuhause als Rückzugsort in Verbindung gebracht. Wie nehmen Sie diesen Wandel aus Sicht des Verbands wahr?

Dies ist ein zentraler Aspekt unserer Arbeit, da wir hauptsächlich im privaten Sektor tätig sind. Unsere Marketingkampagnen sprechen diese Entwicklung gezielt an. Ich sage oft, dass das Schwimmbad das Zentrum der Gesellschaft erreicht hat. Es wird nicht mehr ausschließlich als Luxusprodukt wahrgenommen, sondern als eine realistische Option für viele Haushalte, abhängig von der gewählten Ausstattung.

Ein privater Pool steht für Unabhängigkeit und persönliche Freiheit. Keine Öffnungszeiten, keine Reisezeit, keine Einschränkungen. Menschen können selbst entscheiden, ob Bewegung, Entspannung oder gemeinsame Familienzeit Vorrang haben. Diese Form der Lebensqualität hat in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen.

Die Idee, in ein privates „Urlaub zu Hause“-Erlebnis zu investieren, hat sich fest etabliert. Wir beobachteten ähnliche Tendenzen nach der Finanzkrise im Jahr 2008. Heute ist diese Denkweise viel stärker verankert.

Hier ein Einblick in die aktuelle Marketingkampagne:

Gleichzeitig stehen Unternehmen vor Herausforderungen wie Energieeffizienz, Regulierung und Fachkräftemangel. Wo sehen Sie die größten Herausforderungen und Chancen?

Energieeffizienz bleibt ein dominantes Thema. Verbraucher sind sensibler geworden, und die Erwartungen an Unternehmen sind entsprechend gestiegen. Technologien wie Poolabdeckungen, Wärmepumpen und Wärmetauscher leisten einen wichtigen Beitrag zur Optimierung des Energieverbrauchs. Dies trägt dazu bei, die Wahrnehmung des Pools als energieintensives Produkt zu entkräften.

Regulatorische Anforderungen, insbesondere Normen wie DIN, stellen für viele Unternehmen eine Herausforderung dar. Gleichzeitig beinhalten diese Normen sicherheitsrelevante Aspekte, die nicht vernachlässigt werden dürfen. Ein Projekt darf nicht nur ästhetisch überzeugend sein, sondern auch technisch einwandfrei und sicher.

Der Mangel an Fachkräften bleibt ein strukturelles Problem. Trotz Schwankungen bei den Projektzahlen sind qualifizierte Fachkräfte weiterhin knapp. Durch Kampagnen und Initiativen wollen wir den Beruf des Poolbauers sichtbarer und attraktiver machen. Langfristig werden jedoch stärkere berufliche Ausbildungsstrukturen notwendig sein.

Welche Bedeutung haben Qualitätsstandards wie der „Energie-Guide“ oder der „Wasser-Guide“ für die Markstabilität und Glaubwürdigkeit?

Unsere Richtlinien für den deutschen Markt sind wichtige Werkzeuge, um fundierte Informationen bereitzustellen. Spezialunternehmen können sie nutzen, um objektiv und sachlich über Themen wie Wasserverbrauch oder Energieverbrauch zu kommunizieren.

Das Ziel ist es, überprüfbare und zuverlässige Informationen bereitzustellen. Dies stärkt die Glaubwürdigkeit der Branche und schafft Vertrauen bei den Endverbrauchern.

Beide Richtlinien sind hier einsehbar:

Energie-Leitfaden
Wasser-Guide

Wie können technische Grundlagen mit der emotionalen Welt von Pool und Wellness in Einklang gebracht werden?

Die wichtigste Aufgabe ist es, Technologie und Emotion zu verbinden. Technische Standards müssen eingehalten werden, um Sicherheit, Effizienz und Langlebigkeit zu gewährleisten. Gleichzeitig ist ein Pool immer ein emotionales Produkt. Es steht für Lebensqualität, Ästhetik und persönliche Freiheit.

Ein erfolgreiches Projekt vereint beide Aspekte. Technische Präzision bildet die Grundlage, während emotionales Design dem Projekt seinen Reiz verleiht.

Welche Rolle spielen digitale Plattformen wie poolbiz.eu bei Sichtbarkeit und Wissenstransfer?

Online-Recherche ist zur Standardpraxis geworden. Sowohl Endverbraucher als auch Fachleute sammeln Informationen digital. Plattformen wie Poolbiz bündeln branchenspezifische Inhalte und machen sie in einer strukturierten Weise zugänglich. Der entscheidende Faktor ist die fachliche Qualität und Aktualität der Informationen.

Soziale Medien gewinnen weiterhin an Bedeutung. Visueller Inhalt erzeugt Aufmerksamkeit und führt zunehmend zu konkreten Anfragen. Das Schwimmbad als Produkt eignet sich hervorragend für visuelle Kommunikation. Es repräsentiert Sport, Freizeit, Familienleben und Stil. Diese emotionale Dimension kann über digitale Kanäle sehr effektiv vermittelt werden.

Da der europäische Markt enger miteinander verbunden wird, reicht es aus, nationale Strukturen zu stärken, oder ist eine intensivere europäische Koordination erforderlich?

Eine stärkere europäische Zusammenarbeit ist in bestimmten Bereichen sinnvoll, insbesondere bei Marketinginitiativen und übergreifenden Branchenthemen. Gleichzeitig haben sich viele Standards historisch entwickelt und können nicht einfach vereinheitlicht werden. Klima-, Wirtschafts- und technische Bedingungen unterscheiden sich zwischen den Ländern.

Wo möglich, sollten Synergien genutzt werden. Europäische Produkte können bewusster positioniert werden, ohne Protektionismus zu fördern. Was zählt, ist ein gemeinsames Verständnis von Qualität und Verantwortung.

Wenn man drei bis fünf Jahre in die Zukunft blickt, wofür sollte der bsw in dieser Phase stehen?

Der Verband sollte dafür stehen, die Branche stabilisiert und weiterentwickelt auf nachhaltige Weise. Das Schwimmbad sollte fest im Bewusstsein der Verbraucher verankert sein als ein gesundheitsförderndes und gesellschaftlich anerkanntes Produkt, das in verschiedenen Formen und Preiskategorien erhältlich ist.

Gleichzeitig sollte die Kohäsion innerhalb der Wertschöpfungskette weiter gestärkt worden sein. Persönliche Beziehungen und gegenseitige Unterstützung werden weiterhin essenzielle Säulen bleiben.

Was motiviert Sie persönlich, die Zukunft der Branche aktiv mitzugestalten?

Ich bin seit über 25 Jahren in der Branche tätig und habe ihre Entwicklung aus nächster Nähe miterlebt. Das Schwimmbad als Produkt vereint Ästhetik, Funktionalität und emotionalen Wert. Es bereichert das Zuhause und schafft Räume für Bewegung, Entspannung und Gemeinschaft.

Was mich am meisten motiviert, ist das außergewöhnliche Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Branche. Der respektvolle Umgang, selbst unter Wettbewerbern, und das gemeinsame Streben nach hochwertigen Projekten sind charakteristische Merkmale.

Es gibt genug Potenzial für uns alle, und wir können es nur gemeinsam freisetzen.

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